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Die Gelegenheit spielte mir ein Buch in die Hände, das mich vom psychoanalytischen Standpunkt aus sehr zu interessieren begann. Es stammt aus dem Jahre 1912. Mir ist nicht bekannt, ob es in analytischen Kreisen die Beachtung gefunden hat, die es nach meinem Dafürhalten verdient1. Es ist
verfaßt von Dr. Ludwig Staudenmaier, kgl. ord. Hochschulprofessor in Freising bei München, und trägt zum Titel: Die Magie als experimentelle Naturwissenschaft. Uns interessiert nicht das ganze Buch, sondern nur die Experimente, die der Verfasser bei sich selbst vornahm und eingehend beschreibt. Von wissenschaftlichem Interesse getrieben, hat sich Staudenmaier systematisch zum Halluzinieren erzogen. Er wird es uns deshalb zugute halten, wenn wir, vom gleichen Interesse geleitet, sein Material psychologisch weiter verarbeiten.
Staudenmaier wurde auf den Spiritismus aufmerksam. Das veranlaßte ihn, die in den spiritistischen Zirkeln produzierten Geistererscheinungen experimentell bei sich hervorzurufen. Zuerst entwickelte er sich zum Schreibmedium. Nach einigen vergeblichen Versuchen begann der Bleistift in der Hand automatisch zu schreiben und die Geister offenbarten ihre Weisheit. Staudenmaier „hatte ganz unbedingt den Eindruck, als ob ein ihm völlig fremdes Wesen dabei im Spiele ist“. Was es schrieb, das entnahm es alles dem Wissen des „Mediums“. Diesem war anfangs immer der nächste Buchstabe gegeben, später ganze Wörter und zuletzt mußte es die Antworten „selber mitdenken“. Die Zahl der sich meldenden Geister wurde immer größer. „Allmählich kamen unverkennbar auch minderwertige, ja selbst moralisch defekte und bösartige Intelligenzen. Schließlich schienen auch sexuelle Momente ins Spiel treten zu wollen.“ Aus dem Vorwissen, was der Geist schreiben werde, entwickelten sich mit der Zeit Gehörshalluzinationen. Zuerst wurde ein inneres Vorhe