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Bleuler legt dar, daß die Auffassung des Abreagierens als Entladung oder Abfuhr einer aufgestauten Energie — nach Freud einer affektiven Energie — für die meisten Verhältnisse nicht richtig sein kann; es fehlt vor allem jedes Maß, auch nur schätzungsweise psychische Energiequanten, die in den Affekten liegen oder in der Reaktion verbraucht werden, zu vergleichen.
Dann sprechen auch andere Erfahrungen dagegen; so sieht man, daß auf ein affektives Erlebnis mit aller Kraft äußerlich und innerlich reagiert wird, ohne daß sich die Wirksamkeit des Komplexes vermindert; Gesunde, Hysterische und Paranoische können jahrzehntelang Symptome im Sinne eines Komplexes ohne Erschöpfung der Affektladung hervorbringen, andererseits bleiben ungezählte unabreagierte affektive Erlebnisse wirkungslos, ohne die geringsten Spuren einer dauernden „Affektladung“ zu hinterlassen. Dann kommt es auch sehr häufig vor, daß das abreagierende Sich-gehen-lassen nur den Affekt steigert („sich in eine Wut hineinsteigern“). Ein affektives Erlebnis kann auch eine Art Zwang setzen, gerade solche Szenen wieder zu erleben, besonders dann, wenn die primäre Szene einen Affektsturm erregt hat. Die Energiequanten, die ein einmal gesetzter Affekt enthält, müssen nicht notwendig durch eine Reaktion abgeführt werden.
Bleuler denkt sich den Vorgang so: bei Gelegenheit des Bedürfnisses irgend einer Handlung wird ein Apparat — Gelegenheitsapparat — zusammengestellt, der grundsätzlich das gleiche ist, wie die phylogenetisch zusammengestellten Reflexapparate. „Jeder Entschluß, jedes Unternehmen-wollen schafft einen solchen Apparat von dem einfachsten, an den Reflex erinnernden Selbstlauf, der auf einen bestimmten Reiz reagiert (einfacher psychologischer Reaktionsversuch), bis zu der Lebensaufgabe, deren Einstellung vielleicht erst der Tod auflöst und deren Ausführung Tausende von Malen unterbrochen wird und angestrengte Tätigkeit aller unserer Kräfte verlangt.“ (Solche Gelegenheitsapparate sind beispielsweise auch d