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„Rettungsphantasien“ gehören zu den uns geläufigen und wohlverständlichen Wunschgebilden der Neurotiker, seitdem Freud im Jahre 1910 ihren unbewußten Sinn gedeutet und ihre Abkunft vom Elternkomplex erwiesen hat1. Der Neurotiker errettet in solchen Phantasien bald den Vater, bald die Mutter aus einer Lebensgefahr. Die Phantasien der Mutterrettung entspringen vorwiegend zärtlichen Regungen des Sohnes, enthalten aber nach Freuds Analyse neben der Rettungstendenz den Wunsch, der Mutter ein Kind zu schenken. Sie sind später von Rank2 einer besonderen Bearbeitung unterzogen worden. Dieser Autor3 und neben ihm Harnik4 haben uns auch das Vorkommen von Phantasien der Mutterrettung in den Werken der Dichter verständlich gemacht.
Hinsichtlich der Tendenz zur Vaterrettung hat Freud hervorgehoben, daß sich in ihr vorwiegend die trotzigen Regungen des Sohnes Ausdruck verschaffen. Er hat ferner auf die allgemeine Form hingewiesen, in der sie aufzutreten pflegen. Der Sohn errettet meist einen Vertreter des Vaters — etwa den König oder sonst eine hochgestellte Persönlichkeit — aus drohender Lebensgefahr. An anderer Stelle5 gibt er ein Beispiel einer typischen Phantasie der Vaterrettung, ohne aber auf eine genauere Analyse einzugehen. Die nämliche Phantasie ist mir bei meinen Patienten des öfteren begegnet, und ich darf annehmen, daß sie auch anderen Analytikern geläufig ist. Ich möchte auf ihren unbewußten Gehalt, besonders auch auf ihre Symbolik, in spezieller Untersuchung eingehen und möchte zeigen, daß man sich nicht begnügen darf, in einem derartigen neurotischen Produkt das schon von Freud erkannte Wirken des infantilen Trotzes wiedergefunden zu haben. Eine tiefer gehende Analyse erscheint mir notwendig. Sie erbringt außerdem, wie hier gezeigt werden soll, reiche Aufschlüsse über das Unbewußte des Patienten. Endlich eröffnet sie uns Einblicke in die tieferen Schichten verwandter Phantasiegebilde, die wir zum Vergleich heranziehen werden.
In der Phantasie, welche ich im Auge habe