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In der Lehre von den Geschlechtsverirrungen haben sich stets zwei Richtungen bekämpft: die organische und die psychische. Jene führte alles auf die Konstitution zurück, behauptete darum ein Angeborensein der perversen Neigungen, diese hinwider betont die Erwerbung durch Assoziation mit bestimmten Erlebnissen in frühen Jugendjahren. Erst Freud hat uns gelehrt, daß beides zusammenwirken müsse, das Organische und das Psychische. Bei dem Widerstreben, das seine Lehre fast allgemein, auch bei den sog. „Sexual-forschern“ fand, war man immer wieder bestrebt, ausschließlich organische Bedingungen für die Perversionen aufzufinden, trotzdem man da über die rätsel-hafte „Disposition“ oder „Degeneration“ gar nie hinauskam. Neuestens wurden nun die Lehre von der inneren Sekretion und besonders Steinachs Experimente dazu benützt, um alles Psychische beiseite zu schieben. Demgegenüber ist zu betonen, daß unser Wissen von der inneren Sekretion noch ganz am Anfang des Anfanges steht, und ferner, selbst wenn diese Lehre schon ganz ausgebaut wäre und wir alle wüßten, was sie zu geben hat, sie doch nie imstande wäre, die spezifischen Liebesbedingungen zu erklären, warum jeder Normale wie geschlechtlich Perverse seine ganz besonderen Lieb-habereien besitzt, unter denen seine Liebe erst erwacht oder mindestens voller Orgasmus auftritt. Auch die Versuche Steinachs an Tieren und die Lichtensterns an Menschen ändern daran nichts, was im Einzelnen nachgewiesen wird.
Der Verfasser schließt mit folgenden Worten: „So überaus wertvoll für unser medizinisches Wissen die innere Sekretion und die Steinaehschen Versuche geworden, die Lehre von den Geschlechtsverirrungen konnten sie bislang nur wenig fördern. Bloß von den konstitutionellen Bedingungen haben sie ein Stückchen den Schleier gelüftet. Doch um die Psychopathia sexualis voll zu begreifen, besonders in ihrem beim Menschen wohl wichtigsten seelischen Anteil, erscheint die anatomisch-chemische Methode nicht geeignet. Hier hilft nur eine psychi