You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der Artikel stellt einen Versuch dar, die durch die Analyse gewonnenen psychologischen Erkenntnisse vom Seelenleben der Frau einem breiteren Publikum zu vermitteln. Die Autorin geht von dem für die Psychologie bedeutsamen Gegensatz von aktiv und passiv aus, zeigt, daß auch das weibliche Kind eine männliche Periode durchmacht, die durch den Verzicht auf die Aktivität zugunsten des Mannes normalerweise abgelöst wird. Sie würdigt die Bedeutung der frühinfantilen Entdeckung der anatomischen Verschiedenheit der Geschlechter und des Männlichkeitskomplexes sowie die Fortwirkung der Vaterbindung für das Seelenleben der Frau und zeigt den Sexualneid als starkes Motiv des Männerhasses. Die Entwicklung vom Autoerotismus bis zur Objektfindung und Objektwahl wird mit großem Geschick dargestellt, wobei die Unterschiede des Verhaltens des kleinen Knaben und Mädchens betont werden. Der Wunsch, ein Knabe zu sein, sowie die Identifizierung mit dem Vater, der Einfluß des Bruders bei der Objektwahl, die ambivalente Einstellung zur Mutter treten in ihrer Bedeutsamkeit für das Frauenschicksal hervor; die sexuelle Anästhesie der Frau wird bis auf ihre infantilen Quellen zurückverfolgt. (Der Vergleich mit der männlichen Impotenz würde hier am Platze gewesen sein) Die Entfremdung zwischen den Ehegatten wird von der Autorin zum großen Teil auf die Wirkung unbewußter Haßkomponenten zurückgeführt. Frau Dr. Hug-Hellmuth hofft, daß mit einer Änderung der Erziehung und durch das Verschwinden der Sexualverheimlichung eine Besserung der Beziehungen zwischen Mann und Frau eintreten wird. Dem geglückten ersten Versuch der Autorin, die Ergebnisse der Analyse in der Psychologie der Frau darzustellen, wäre Fortwirkung zu wünschen.
Th. Reik.