You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das kleine, hübsch ausgestattete Buch ist für gebildete Eltern und Erzieher vermögender Stände bestimmt. In acht Briefen, die der Arzt an von ungewöhnlichen Erziehungssorgen bedrückte Väter oder Mütter als Erklärer oder Wegweiser richtet, erörtert er die geläufigsten Formen kindlicher Neurosen und deutet ihre Behandlung an. In leicht fließender Sprache geschrieben, gibt das kleine Werk eine anregende Lektüre ab. Schade, daß sich der Autor mit der Oberfläche der Erscheinungen bescheidet und nicht auf die Quellen der Symptombildung zurückgeht! Gerade dabei ließen sich wertvolle Fingerzeige für das Verhalten der häuslichen Erzieher im Verkehre mit den Kindern gewinnen, die prophylaktisch weit bedeutsamer sind, als die bisher und auch vom Verfasser für richtig gehaltenen. Die sexuelle Aufklärung als Therapie statt als Prophylaxe zu empfehlen, scheint mir allzu vorsichtig. Warum ein fünfzehnjähriger neurasthenischer Junge Alkohol und Nikotin nur „möglichst“ und nicht gänzlich meiden solle, ist just im Rahmen solch eines Briefes an eine Mutter nicht verständlich. Der psychoanalytisch orientierte Leser steht natürlich gerade solchen literarischen Erscheinungen, wie sie Pototzkys Schrift darstellt, kritisch und skeptisch gegenüber.
Friedjung (Wien).