You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Auf der Vererbungstheorie fußend, von psychoanalytischen Erkenntnissen bewußt oder unbewußt beeinflußt, sucht der Autor die Abhängigkeit der Charakterentwicklung von der Familienkonstellation nachzuweisen.
Ist das erste Kind ein Knabe, ist also der natürliche Wunsch jeder weiblichen Frau, im Kind das Bild des geliebten Gatten zu finden, erfüllt, so entwickelt sich dieses Kind als männlicher Mann. Ist das Erstgeborene ein Mädchen, so wird es zur männlichen Frau.
Folgt im ersten Fall als zweites Kind wieder ein Knabe, dann zeigt dieser stark weibliche Züge; denn in der zweiten Schwangerschaft wünscht die Mutter in der Regel, nun ihre Eigenart fortzupflanzen. Der nach einem erstgeborenen Mädchen folgende Knabe entwickelt sich natürlich ausgesprochen nach der männlichen Linie, eine dem ersten Sohne folgende Tochter nach der weiblichen usw. Aus dieser Bedingtheit der sexuellen und erotischen Entwicklung durch die vorausgegangenen Geburten folgert Sch., daß der Mensch bisexuell veranlagt sei und daß es widersinnig sei, von reiner Hetero- oder Homosexualität zu sprechen. Beide Gefühlsrichtungen seien als normal anzusehen, sofern der Mensch eben seiner natürlichen Veranlagung folgt; die Perversion, der Widersinn, liege in der Unterdrückung der angeborenen Triebrichtung. Auf Grund dieser Ansicht verlangt Schulenburg Freiheit für jedes sexuell-erotische Fühlen, er verlangt vom Menschen, nach welcher Richtung er immer neige, Wahrheit und Natürlichkeit; und diese seien zu finden, indem der Mensch strebe, sich selbst zu erkennen.
Dr. H. Hug-Hellmuth.