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Die nach dem Tode Külpes herausgegebenen Vorlesungen bieten viel Lehrreiches, auch für den Psychoanalytiker zu Beherzigendes. Es muß aber eingestanden werden, daß sich der Leser durch die Tatsache, daß gerade die Psychologie des Denkens, Wollens, der höheren Gefühle in den „Vorlesungen“ unbearbeitet bleiben, etwas enttäuscht fühlt. Ist doch der Name Külpes am innigsten mit derjenigen neuen Richtung der Denkpsychologie verknüpft, welche früher oder später die Brücke zwischen Psychoanalyse und Denkpsychologie schlagen helfen wird.
Erwähnt sollen folgende Einzelheiten werden: Külpe teilt das Gegenstandsgebiet der Psychologie in „Inhalte“ und „Funktionen“. (Wichtig für die Psychoanalyse, welche neben den inhaltlichen Deutungen „funktionelle“ eingeführt hat.) Gefühle sollen einen Übergang zwischen Inhalt und Funktion bilden. Die Existenz eines unbewußten Seelenlebens wird von Külpe entschieden behauptet; das Bewußtsein selbst soll drei Stufen aufweisen. Im Unbewußten spielen sich „die Nachwirkungen des früheren Seelenlebens, früherer Erfahrungen“ ab, „auf die Freud und seine Schule so großen Wert legen. Sicherlich spielen sie eine Rolle“. Doch findet Külpe die psychoanalytische Methode nicht unbedenklich; „die eindrucksvollen Erlebnisse brauchen doch nicht nur der sexuellen Sphäre zu entstammen und sich nicht hinter allerlei abenteuerlichen Symbolen zu verstecken“. (Külpe hat sich der Sexualtheorie sicher nicht nähern können). Bei der Behandlung des Schlafes und des Traumes wird die Freudsche Auffassung der Schlafabsicht und der Wunscherfüllung — ohne eigene Kritik — erwähnt.