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Es liegt im Wesen der empirischen Arbeitsmethode der Psychoanalyse, daß man ein Stück der auf analytischem Wege gewonnenen Erfahrung zur kritischen Verwertung unterbreitet und so Anregung zu anderweitigen Bestätigungen, Korrekturen, Erweiterungen und Ergänzungen eines angeschnittenen Problems gibt Auch diese Arbeit kann nicht den Anspruch erheben, eine vollständige Lösung des aufgestellten Problems zu bringen — sie ist nur ein bescheidener Versuch, dem eigentlichen Problem näherzukommen und daher von vornherein jeder Korrektur offen, die auf beweiskräftigerem analytischem Material ruht.
Ich schicke eine genauere Formulierung meines Themas voraus: ich will nicht über das Lügen im allgemeinen sprechen. Ich beschränke mich streng auf das, was in der Psychopathologie „Pseudologia phantastica“ genannt wird — die Phantasielüge.
Auch möchte ich mich nicht in breite psychologische Definitionen einlassen; der Unterschied zwischen der Pseudologie und der gewöhnlichen Lüge, wie wir sie besonders bei Kindern häufig begegnen und die zum Teil allerlei aktuellen Tendenzen dient, zum Teil unter dem Drucke starker innerer Konflikte entsteht, ist allgemein bekannt.
Dem Thema der Pseudologie selbst möchte ich nur noch eine klare Begriffsbestimmung vorausschicken: Pseudologie ist eigentlich der dem anderen als Realität mitgeteilte Tagtraum. Alles das, was den Inhalt des Tagtraumes bildet: üppigst gedeihende Wünsche von ehrgeizigem und erotischem Charakter, scheinbar vollkommene Unabhängigkeit der in der Phantasie hergestellten Wunscherfüllung von Bedingungen des realen Lebens — alles das