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Außerhalb der psychoanalytischen Arbeiten ist bisher so wenig Erschöpfendes über die Kindersexualität berichtet worden, daß es eine dringende und mutige Tat ist, in einer kinderärztlichen Fachschrift die unbefangene Wahrheit mitzuteilen. Aus seinen zahlreichen und langjährigen Beobachtungen bringt der Autor instruktive Beispiele krasserer sexueller Erscheinungen an Kindern mit der beruhigenden Erklärung am Schluß: „Ich habe das Schicksal aller dieser Kinder zum Teile bis zu ihrer vollen Reife weiterverfolgt, ohne sie vom Durchschnitte allzuweit abweichen zu sehen.“ Die meisten Kinderärzte stehen dem kindlichen Triebleben noch mit Unkenntnis und Vorurteilen gegenüber, in vielen wichtigen Fragen, die der Tag in ihrem Berufe bringt, sind sie ratlos. Schlimm ist es, wenn sich gar mancher trotz des Bewußtseins der Unvertrautheit mit solchen Fragen, falscher Auskünfte, verkehrter Ratschläge vermißt, bloß um seine Unwissenheit zu bemänteln. Friedjung ist in diesem Gebiet der bestbeschlagene Fachmann und Lehrer. Seine hier jedesmal in wenigen Zeilen zusammengefaßte Kasuistik zerfällt in drei Gruppen: Autoerotik, Heteroerotik und psychosexuelles Verhalten. Immerhin erst eine Vorhuttruppe, der der psychoanalytische Verlag hoffentlich bald eine sieghafte Armee von Kinderbeobachtungen folgen lassen wird.
Dr. E. Hitschmann.