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Die Sammlung mit dem Titel „Arbeiten zur angewandten Psychiatrie“ bringt hier zum erstenmal eine Arbeit des Mitherausgebers Prof. Stransky. Es ist daher interessant nachzulesen, was der Autor eigentlich unter „angewandter Psychiatrie“ versteht. Im Band 74 der allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie finden wir den gleichnamigen programmatischen Artikel. Stransky strebt dort — von den Eindrücken der Kriegsjahre bis 1918 eigenartig beeinflußt — darnach, den Psychiatern neue praktische Ziele zu weisen, die sie bisher gar nicht erträumt haben. Der Psychiater soll „Ratgeber und Beistand in allen wichtigen Fragen des menschlichen Lebens“ werden, er soll „Generaloberstsachverständiger“ sein, „Berufsvormund der ganzen Welt“. „In allen Sätteln des menschlichen Lebens gerecht“, soll er ferner „Ehebeirat“ und „weltlicher Seelenhirte“ sein. Die Psychiater müssen die handelnde praktische Politik nach sinnvoll-wissenschaftlichen Grundsätzen und volkshygienischen Zielen orientieren; sie „müssen Lehrer und Wegweiser für Staatsmänner und Diplomaten der Zukunft werden“. Der Superlative ist aber nicht genug, sondern es wird direkt von „einem ärztlichen Imperialismus“ gesprochen. Stransky schließt seinen Programmentwurf über „angewandte Psychiatrie“ mit folgender Apostrophe an seine Kollegen: „Heraus aus dem Turm, hinaus ins Leben! Es kennt euch nicht, wie ihr es nicht kennt. Wird erst die Menschheit wissen, was ihr ihr sein, was ihr ihr geben könnt, wird sie euch rufen. Darum bereitet euch beizeiten, dem Ruf zu folgen!“
Vergleicht man mit diesen superlunarischen Vorschlägen, die Psychiatrie neuartig im Leben, in der Praxis, in der praktischen Politik usw. anzuwenden, die Arbeit Stranskys in dieser Sammlung, so sieht man ihn wieder in den Turm zurückgekehrt, eine medizinische Frage erörtern, richtiger eine solche der Terminologie in der Psychopathologie. Wie sich überhaupt ergeben wird: man kann zwar von angewandter Psychologie, angewandter Psychoanalyse, angewandter Seelenkunde sprechen