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Es ist Allgemeingut, daß psychische Faktoren das vegetative Nervensystem und damit deren Erfolgsorgane in jeder Weise beeinflussen können und daß Veränderungen in der Funktion dieser Organe sich oft in nichts von den durch materielle Schädigungen hervorgerufenen Veränderungen unterscheiden lassen. Es ist nachgewiesen, daß die Lust in anderer Form das Gefäßsystem beeinflußt als die Unlust, daß durch erstere Erweiterung des peripheren Gefäßsystems eintritt, durch letztere Verengerungen, die den Anlaß zu Blutverschiebungen gegen die inneren Organe geben können (Webe r). Es ist weiters beschrieben, daß die geistige Ermüdung in ähnlicher Weise wirkt wie die Unlust, daß bei der Neurasthenie hingegen dauernd eine Erweiterung der äußeren Gefäße vorhanden ist, schließlich daß nach psychischen Affekten überhaupt in gleicher Weise wie nach körperlicher Ermüdung eine Umkehr der Gefäßinnervation auftritt.
Man kann sich nun gut vorstellen, daß eine solche länger dauernde Innervationsstörung schließlich zu einer dauernden Funktionsänderung von Organen führen kann und diese Funktionsänderung nach längerem Bestehen auch eine materielle Schädigung von Organen bewirken kann; jedoch wird sich der Zusammenhang zwischen dem psychisch-ätiologischen Faktor und dem krankhaft veränderten Organ nicht immer erschließen lassen.
Wenn man auf dem Standpunkt steht, daß alles organische Geschehen in seinen Uranfängen darauf gerichtet war, einen übermäßigen Erregungszufluß zu verhindern oder zu beseitigen, daß jede Äußerung körperlicher Veränderungen einen Versuch der Rückkehr zum Ruhestadium bedeutet, daß also im körperlichen Geschehen nichts anderes ursprünglich vor sich ging, als Unlust in Lust zu verwandeln, und daß in der weiteren Entwicklung