You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der zweiten Woche der Analyse erzählt die Patientin, sie habe nach Schluß der letzten Sitzung gesehen, wie der Arzt sich eine Zigarette anzündete. Sie habe sich darob sehr gewundert, denn sie habe ihn bis jetzt noch nie rauchen gesehen.
Nun war ich selbst nicht weniger verwundert, da ich überhaupt nie rauche. Die Patientin versicherte mir zunächst, sie habe mich wirklich mit angezündeter Zigarette erblickt, so daß ich denken mußte, es handle sich um eine wirkliche Halluzination. Dies hätte mich nicht sonderlich überrascht, da die Patientin ohnehin eine unbezweifelbare akustische Halluzination erfährt. Bei näherem Befragen ergab sich aber, daß die Patientin nur den weißen Rauch aus meinem Munde gesehen hat, während ich durch deft Anstaltsgarten ging. (Es war im Winter.) Diese wahrscheinlich korrekte Wahrnehmung gewann aber für sie die Bedeutung eines Anzeichens für das Rauchen und sie glaubte nun wirklich, Rauch zu sehen, ein Mechanismus, wie er ja bei der schizophrenen Personenverkennung ganz regelmäßig angetroffen wird.
Zur Analyse der Illusion. Es fällt der Patientin zunächst ein, daß ein uns beiden persönlich gut bekannter Analytiker sehr viel raucht. Sicherlich würde sich dieser nicht genieren, auch während der Sitzung zu rauchen, nicht so wie ich, der ich mir scheinbar aus übermäßiger und überflüssiger Rücksicht den Zwang auferlege, das Rauchcn auf den Schluß der Stunde aufzuschieben. Ich soll es nicht tun, meint die Patientin weiter, ich soll getrost in der Stunde rauchen. Der erwähnte Analytiker raucht aber zuviel. Er richtet sich dadurch zugrunde, er wird wohl jung sterben. Die Patientin kann dieses mögliche Schicksal des Kollegen nicht genug bedauern, dann sie hängt an ihm als getreue Schülerin und Hörerin in großer Liebe und Verehrung. Er ist es, der sie an mich gewiesen hat, nachdem sie zuerst zu ihm in die Analyse gehen wollte. Die Übertragung der Patientin auf den Kollegen ist so stark, daß sie in den ersten Wochen der Arbeit bei mir jeden Augenblick i