You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Nachdem wir seit etwa einem Jahrzehnt keinen Wert darauf gelegt hatten, die verschiedenen Phasen hilflosen Gebarens der Zunftpsychiatrie den Fortschritten der Psychoanalyse gegenüber jeweils zu charakterisieren, bieten uns zwei Vorträge des Heidelberger Psychiaters Prinzhorn, die er uns auszugsweise im Autoreferat zur Verfügung stellt, die erwünschte Gelegenheit, von berufener Seite ein bezeichnendes Licht auf die Änderung in der Taktik unserer Gegner fallen zu lassen.
Zusammenfassend kann man konstatieren, daß die Hochesche Formulierung der Analyse als „vorübergehende Seuche“ nunmehr anderen, für die Autoren weniger kompromittierenden Einstellungen den Platz räumen mußte. So führt Prinzhorn mit anerkennenswertem Freimut die verschiedenen typischen Arten der verkappten Aneignung psychoanalytischer Forschungsergebnisse an und läßt uns so interessante Einblicke in die mitunter ganz und gar unwissenschaftliche Motivierung gewinnen, die wir ohnehin dort immer stillschweigend vorausgesetzt hatten.
Wir freuen uns aber, jetzt Prinzhorn das Wort lassen zu können, indem wir die beiden Autoreferate seiner jüngst gehaltenen zwei Vorträge zum Abdruck bringen.
„Der Psychiater und die Psychoanalyse.“ (Vortrag, gehalten auf der 47. Wanderversammlung der südwestdeutschen Neurologen und Irrenärzte in Baden-Baden am 27. Mai 1922.)
„Psychotherapie und Psychoanalyse.“ Erfahrungen aus Wien und Zürich. (Vortrag im naturwissenschaftlich-ärztlichen Verein, Heidelberg, 16. Mai 1922.)
„Anknüpfend an den von Ho che 1910 in Baden-Baden gemachten Versuch, die Psychoanalyse als „vorübergehende Seuche, ärztliche Taumelbewegung“ und so weiter darzustellen, wird gezeigt, inwiefern die inzwischen verstrichenen zwölf Jahre das Gegenteil erwiesen haben. Nicht nur hat der engere Anhängerkreis sich stetig ausgebreitet, sondern in der inneren Medizin und auch in der Gynäkologie und Chirurgie stebt man den Haupterkenntnissen der Psychoanalyse viel offener gegenüber. Dazu kommt, daß in der ganzen Medizin ein s