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Wie die Geschichte der Psychiatrie uns lehrt, befolgten die Forschungen auf dem Gebiete der seelischen Pathologie und Therapie von dem XVII. Jahrhundert an eine materialistische, im XVIII. Jahrhundert eine vitalistische und im XIX. wieder eine materialistische Richtung. Die erste materialistische Welle, welche von Galileis, Newtons, Koperniks, Keplers Kosmogonie und Weltbetrachtung umwälzenden Ergebnissen aus sämtliche Naturwissenschaften durchdrungen hatte, erfuhr auf dem Gebiete der Psychiatrie im XVII. Jahrhundert durch Stahls Auftreten eine Unterbrechung. Stahls neue Bahnen eröffnende Tätigkeit finden wir bei Friedreich bezeichnend geschildert („Versuch einer Literärgeschichte der Pathologie und Therapie der psychischen Krankheiten“, Würzburg , S. 249):
„Der erste Vorteil desselben war, daß er den groben, teils ihm vorausgegangenen, teils mit ihm koexistierenden materialistischen Lehren und Ansichten Schranken setzte, da alle Versuche, die man unternahm, um die Erscheinungen des organischen Lebens zu erklären, sieh bloß auf die Untersuchungen derjenigen Veränderungen beschränkten, die im Mechanismus und in der Mischung der Bestandteile gegründet sind. Wir finden in jenen Perioden nichts, als einseitige Chemiatriker, die in den Lehren von Fermenten, von den Salzen des Körpers und von der Mischung derselben alles gefunden zu haben glauben. Nichts als einseitige Jatromathematiker, wie sie die Formen der Atome, die Winkel und Beugungen der Gefäße berechnen und dergleichen.
Unter solchen Verhältnissen war Stahls System ein notwendiges Bedürfnis der Zeit geworden, um die Augen des Forschers auf ein höheres Prinzip zu leiten und so allmählich den Einfluß der Seele auf die Verrichtungen der leiblichen Seite des Organismus aufzuzeigen, und man darf vielleicht behaupten, daß Stahls System zu der jetzt so herrlich blühenden Lehre von der innigen Wechselbeziehung zwischen Seele und Leib einen mächtigen Impuls gegeben hat… Die ganze Basis des Stahl sehen Systems ist die Passiv