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Das Problem der Temperamente ist für die Individialpsychologie und Psychoanalyse eines der interessantesten Probleme. Das Temperament (wie auch der Charakter) ist das, was uns das Individuum als Ganzes charakterisiert. Darum hat auch Dr. Alfr. Adler sein großes Werk dem Problem des Charakters gewidmet Aber doch bleibt für die Psychoanalyse eine große Frage offen — die Frage von der angeborenen psychischen Konstitution des Menschen — das, was man sonst das Temperament nennen kann.
Das Temperamentproblem ist für die experimentelle Psychologie eines der schwersten, und wir müssen natürlich zwei Anfangsfragen stellen: 1. Was ist eigentlich das Temperament und 2. welche Wege und Methoden haben wir, das Temperament zu erforschen. Diese Fragen sind schon längst in der alten Menschenkunde (Psychognosis), wie auch in den neuesten psychologischen und psychoanalytischen Arbeiten gestellt.
Der Verfasser gibt in seiner Abhandlung eine orginelle, obwohl eine enge Qualifikation des Temperaments: nach seiner Darstellung ist das Temperament nur „die Intensität der Empfindlichkeit der Lust und Unlust“ (S. 5), und von diesem Standpunkt aus kann er die Theorie der alten vier Temperamente — mit öeuem Inhalt gefüllt — annehmen. Also ist bei dem Verfasser die Rede von:
Sanguiniker — die stark die Lust und schwach die Unlust empfinden;
Choleriker — die stark die Lust und stark die Unlust empfinden;
Melancholiker — die schwach die Lust und stark die Unlust empfinden;
Phlegmatiker — die schwach die Lust und schwach die Unlust empfinden.
Das zweite Problem — das der Methodologie — versuchte der Verfasser auch zu lösen. Der Weg zum Erforschen des Temperamentes ist, nach seiner Darstellung, der der Symptomatologie. Das Symptom des Temperamentes ist in erster Reihe die Reaktionsschnelle des Organismus. Der Verfasser glaubt, daß die Temperamente, die größere Empfindlichkeit zur Lust haben, schneller, und die zur Unlust langsamer reagieren. Die Variationsgröße ist bei verschiedenen Temperamenten auch ver