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Die Patientin ist vierunddreißig Jahre alt, seit elf Jahren mit einem gleichaltrigen, gesunden Mann verheiratet, Mutter zweier Knaben im Alter von acht und elf Jahren. Seit frühester Jugend war sie „nervös“, litt während ihrer zweijährigen Brautzeit an hysterischer, völliger Appetitlosigkeit. Mit der Eheschließung trat schwerer Vaginismus auf, der erst nach einem Jahre gynäkologisch mit Dehnung in Narkose behandelt wurde. Seither geschlechtlicher Verkehr, der in unmäßiger Weise geübt wurde, wobei aber die Frau niemals zur Endlust kam. Während der ersten Ehejahre litt die Frau an nicht gonorrhoischer Cystitis, war äußerst wehleidig und im mer mager und schwächlich, so daß sie mehrmals in Sanatorien kam.
Die Änderung seiner Stellung zwang den Mann, in einem schwer erreichbaren Provinzort zu wohnen. Da die Reise dorthin mehr als vierundzwanzig Stunden dauert, die Schule ungeeignet, die Lebensbedingungen und vor allem das Klima ungesund sind, läßt er seine Familie zurück. Da er selbst oft in die Heimat reisen muß, willigt die Frau in die Trennung, die eine wesentliche Besserung der ökonomischen Lage ermöglicht. Während der Zeit der Trennung nehmen die nervösen Zustände der Gattin, die in diesen Jahren hauptsächlich in außerordentlicher Hypochondrie, in Kopfschmerzen, Darmstörungen, andererseits in unüberwindlicher Tagträumerei bestanden, keineswegs zu, bessern sich eher.
Da gelangt an die Patientin ein anonymer Brief aus dem Städtchen, wo der Gatte wohnt, mit der Mitteilung, er lebe mit seiner Buchhalterin im Konkubinat und der Aufforderung, dem Skandal ein Ende zu machen. Sie reist daraufhin, ohne sich anzukündigen, mit den Kindern hin und trifft tatsächlich eine junge Person in der Wohnung ihres Gatten wohnend und wirtschaftend an. Beide leugnen jedes intime oder überhaupt jedes Verhältnis. Da die Buchhalterin angeblich für das neue Unternehmen des Gatten unentbehrlich ist, muß die Frau dulden, daß sie ihren Posten weiterbehält, nötigt sie aber, sofort die Wohnung zu rä