You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Verfasser untersucht die Gründe, warum die Psychoanalyse trotz ihrer bereits jahrzehntelangen und großartigen Entwicklung gerade in medizinischen Kreisen geringe Ausbreitung gefunden hat und es erst verhältnismäßig wenige gibt, die mit Theorie und Technik der Psychoanalyse gründlich vertraut sind. Die Gründe sieht er einmal in der Schwierigkeit der Umschaltung des vorwiegend somatologisch Eingestellten auf eine ihm durchaus neuartige Blickrichtung: Die Introspektion auf seelische Abläufe. Die zweite Schwierigkeit liegt in der Einübung des „psychoanalytischen Experimentes“, das allein die Aufstellungen und Erkenntnisse der Psychoanalyse voll zur empirischen Überzeugung bringen kann, aber erst nach jahrelanger Übung seine ganze Fruchtbarkeit entfaltet. Die dritte Schwierigkeit ist die umfassendste: Man kann das psychoanalytische Experiment erst dann erschöpfend beim anderen anwenden, wenn man sich ihm selbst bei einem erfahrenen Analytiker unterworfen hat. Die nicht nur beim ausgesprochenen Neurotiker, sondern bei allen Kulturmenschen vorhandenen „Komplexe“ und mehr oder minder unausgeglichenen Spannungen, deren Reaktivierung instinktiv gefürchtet und gemieden wird, bringen es zuwege, daß die wichtige Vorbedingung der wirklichen Aneignung der Psychoanalyse mißachtet und damit diese selbst versäumt wird.
Autoreferat.