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Trunksucht und Morphiumsucht, Wandertrieb, Tic und Kleptomanie, Brandstifter und Spieler werden hier unter einen Begriff, in einen Band
gezwungen. Die Hauptkategorien der Leser, psychoanalytisch nicht geschulte Ärzte, werden wieder sehr befriedigt sein und immerhin darüber belehrt werden, welch weiten Wirkungskreis die Psychoanalyse in Anspruch nimmt, welche die oben genannten pathologischen Zustände, gleich den Neurosen, aus verdrängtem seelischem Material ableitet. Den Psychoanalytiker aber enttäuscht dieser sechste Band von Stekels „Störungen des Trieb- und Affektlebens“ so gründlich wie die bisherigen. Der Autor benützt, um einen dicken Band zu füllen, nach seinem alten Rezept; Krankengeschichten, von den Patienten niedergeschrieben (eine nimmt nicht weniger als 82 Seiten ein); Analysen von geringem Umfang (richtiger Anamnesen); längere Analysen, zum Teil von anderen gemacht, ohne Berücksichtigung der Ichtriebe, ohne plausible Deutung, ohne gesetzmäßige Gesichtspunkte in den Zusammenfassungen; allzukurze Traumdeutungen, ferner literarische Beigaben und endlich Eintagstheorien über dies und das, die sich unter zur Selbstbehauptung unternommener Kritik an Freud und seinen Schülern, doch auf dem aufbauen, was Freud lehrt und in der Zwischenzeit Neues dargestellt hat, seit Stekels vorletzter Band zusammengestellt ist. Wo die Freud sehe Schule, die deshalb Zusammenfassendes selten und zögernd veröffentlicht, weil sie mit wissenschaftlichem Ernst Unfertiges nicht preisgibt, — wartet, ist Stekel ratlos und begnügt sich mit verantwortungslosen Schein-Entdeckungen. Der Tic „stellt einen steckengebliebenen Impuls dar und dient verschiedenen Tendenzen. Er kann Ausdruck verdrängter Begierden, autoerotischer Regungen, Erinnerungsbild, Vorwurf, Stimme des Gewissens sein, aber auch den Wunsch nach Wiederholung ausdrücken.“ Zugegeben, aber das psychoanalytische Problem lautet, warum dies gerade als Tic zum Ausdruck kommt! „In allen Fällen von Spielleidenschaft,“ sagt Stekel,