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In diesem altbewährten, jetzt in dritter Auflage erscheinenden Büchlein, finden wir die Notwendigkeitbetont, den Kassenmitgliedern in manchen Fällen psychoanalytische Behandlung zu ermöglichen. Vor achtzehn Jahren hat der Verfasser den Krankenkassen die Anstellung eigener Zahnärzte empfohlen; einen solchen Rat heute erteilen oder gar begründen zu wollen, hieße offene Türen einrennen. Nun wird hier auf den hohen Wert rationeller Psychotherapie der Neurosen für die Kassen hingewiesen, die sich nicht etwa in Trost und Aufklärung erschöpfen kann, sondern die inneren Konflikte des Erkrankten durch Analyse lösen soll. Der belesene, praktisch erfahrene Autor steht auf dem Standpunkt voller Anerkennung der außerordentlich fruchtbaren Erkenntnisse der Psychoanalyse und zitiert Prinzhorns Worte: „Die deutsche Psychiatrie hat das Gewicht der Psychoanalyse sowohl als therapeutische Methode wie als psychologische Denkweise weit unterschätzt, wodurch ihr auf ihrem eigensten Gebiete die Führung entglitten ist.“ Die Berliner Poliklinik nnd das Wiener psychoanalytische Ambulatorium sammeln bereits Erfahrungen über Psychoanalyse an Kassenmitgliedern, namentlich über die Mindestdauer. Aber eine größere Anzahl von Kranken könnte nur durch von der Kasse angestellte Spezialärzte dauernder Arbeitsfähigkeit zugeführt werden. Wie sehr eine chronische Neurose die Qualität und Quantität der Arbeitsfähigkeit stört, wird durch das Schwanken des Wohlbefindens übersehen, und die vor der Entlassung pünktlich auftretende Besserung hindert immer wieder entscheidende Maßnahmen. Die Krankenkassen, in die jetzt auch ein großer Teil des Bürgertums eingeht, werden sich ausrechnen müssen, ob nicht doch gründliche rechtzeitige Heilung des Neurotikers für sie rentabler ist, als chronische Insuffizienz und wiederkehrendes Marodieren.
Hitschmann.