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Der empfindsame Menschenschlag der Dichter ahnt in seinem unablässigen Erforschen der eigenen Seele Wahrheiten oft Jahrhunderte voraus, welche die Wissenschaft nur sehr viel später, oft nach schweren Kämpfen anzunehmen geneigt ist. Der Dichter ist ein Vates, der aus seinem eigenen Inneren wahrsagt und schaut auch die Schulweisheit mit unfruchtbarem Stolz auf ihn herab, der Psychoanalytiker kommt oft in die Lage, ihm Dankbarkeit zu erweisen für die Prophetendienste, durch welche dieser schon auf der mythologischen Stufe der Wissenschaft die wahren Gesetze der seelischen Arbeitsweise verkündet hatte.
Bei der Lektüre von Shakespeares „Romeo und Julia“ werde ich an einen kleineren Artikel2 von Dr. Ferenczi erinnert, in welchem auf eine psychologische Erkenntnis von Schopenhauer hingewiesen wird, laut welcher der Dichter in dem Urahnen aller Tragödien, in dem aus den Tiefen der Zeiten und Seelen emporragenden „König Ödipus“, in der Gestalt des Ödipus ein Grundprinzip unseres seelischen Geschehens, das Realitätsprinzip, personifiziert, im Gegensatz zur Personifizierung des Lust Unlustprinzips durch Jokaste, die Muttergattin.