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Jede Wissenschaft entwickelt allmählich ihre eigene Methode, nicht etwa auf abstrakt-logischer Grundlage, sondern aus der Empirie der stets wachsenden Materialkenntnis. In der Vorzeit der Ethnologie glaubte man, daß die auffallenden Übereinstimmungen in den Sitten weit voneinander wohnender Völker nur durch Wanderung oder Urverwandtschaft erklärt werden könnten. Dann wurde die Zahl der anzunehmenden Wanderungen so groß, die Fülle der Übereinstimmungen so verblüffend, daß man das Spiel lieber ganz aufgab. Man entdeckte so die allgemeinen Gesetze des Menschengeistes, die Elementargedanken. Aber das Material war im steten Anwachsen begriffen, es reichte jetzt schon aus, um Monographien über geschlossene Gebiete zu schreiben; neben dem Allgemeinen ließ sich auch das Spezifische, wir können auch sagen das Historische herausarbeiten. Die historische Ethnologie ist freilich noch immer keine Geschichtswissenschaft, denn sie konstruiert ja das zeitliche Nacheinander aus einem räumlichen Nebeneinander. Sie hat jedoch der rein „evolutionistischen“ Ethnologie voraus, daß sie doch einige Schritte in die Tiefe gehen kann, indem sie das Nebeneinander der Erscheinungen auf engumgrenztem Gebiete zum Ausgangspunkt nimmt, während die „evolutionistische“ Schule, da sie sich dieses wichtigen Hilfsmittels — es entspricht etwa der freien Assoziation in der Analyse — beraubte, zu rein aprioristischen, von einer völlig veralteten Psychologie inspirierten Schemata ihre Zuflucht nahm. Freilich droht jetzt die neue Gefahr eines geistlosen, nichts erklärenden Historizismus. Ich hoffe nun zu zeigen, wie wir mit Hilfe der historischen Ethnologie die Schicksale der Völker und sozialen Einrichtungen in ihrer gegenseitigen Bedingtheit in die Vergangenheit verfolgen und von hier aus mit Hilfe der Psychoanalyse bis zu den ur- und vormenschlichen