You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der etwa 24jährige Patient steht wegen Schlaflosigkeit und wegen der Unfähigkeit zu regelrechter Tätigkeit in psychoanalytischer Behandlung. Er berichtet, daß er zur Zeit, als er die ersten Volksschulklassen besuchte, zwischen den nebeneinanderstehenden Betten der Eltern schlief. Der Vater kam zur Mutter und küßte sie. Der Patient hat auch den Geschlechtsverkehr der Eltern, von dem er allerdings keinen klaren Begriff hatte, beobachtet. Er kam sich hiebei wie unwirklich vor, als wenn er gar nicht er selbst wäre. Vater und Mutter erschienen ihm in einem anderen Lichte. Aueh später hat er das „Ichbewußtsein“1 zeitweise verloren. Er erinnert sich, daß er noch in der Volksschule die Vorstellung entwickelte, alle Menschen bildeten einen Körper. Dies drängte sich ihm auf wenn er sein „Ichbewußtsein“ verlor. Gleichzeitig kam aber der Gedanke, es mache gar nichts, wenn er auf den Kopf geschlagen werde, da er ja gar nicht er selbst sei.
Dieser Bericht des Patienten erfolgt an einem Tage, an dem er sich heftig über den Vater beklagte und Angst vor einer Kopfverletzung äußerte, welche ihn geisteskrank machen könne. Gleichzeitig waren Gedanken aufgestiegen, der Analytiker sei gegen ihn zu ablehnend. Er möchte dessen Frau verführen und der Analytiker könne ihn (Götz von Berlichingen).
Man muß annehmen, daß der Patient die Störung des Persönlichkeitsbewußtseins deshalb erlitt, weil er lebhaft gegen die Zuschauerrolle, welche ihm die Eltern aufnötigten, protestierte. Bemerkenswert ist aber, daß er, das „Ichbewußtsein“ verlierend, an dem Erleben der Eltern teilhat. Alle Menschen bilden ja einen Körper. Er identifiziert sich mit dem Vater — die Identifizierungstendenz mit dem Vater trat im Laufe der Behandlung eindringlich hervor — und wir dürfen den Gedanken, er wolle die Frau des Analytikers verführen, als unmittelbaren Abkömmling dieser Tendenz betrachten. Durch diese Identifizierung entgeht er gleichzeitig der Kastrationsgefahr. Denn hinter der Furcht, durch einen Schlag auf den Ko