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ehem. erstem Assistenten an der psychiatrisch-neurologischen Klinik von Prof. Dr. Jelgersma, Arzt an der Anstalt Endegeest bei Leiden
In seinen Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose hat Freud einen Fall beschrieben, bei dem er den Eindruck bekommen hatte, als ob der Patient gleichsam in mehrere Persönlichkeiten zerfallen wäre: eine unbewußte umschloß die frühzeitig unterdrückten, als leidenschaftlich und böse zu bezeichnenden Regungen; in seinem Normalzustande war er gut und lebensfroh, überlegen, klug und aufgeklärt; in einer dritten psychischen Organisation huldigte er dem Aberglauben und der Askese. Diese vorbewußte Person enthielt vorwiegend die Reaktionsbildungen auf seine verdrängten W ünsche und es war leicht vorherzusehen, daß sie bei weiterem Bestände der Krankheit die normale Person aufgezehrt hätte. Eine andere Patientin war in eine tolerante, heitere und in eine schwer verdüsterte, asketische Persönlichkeit zerfallen.
Aber nicht nur bei Zwangsneurotikern, sondern auch bei Schizoiden und Schizophrenen kann man eine Aufteilung der Persönlichkeit finden, bei der eine asketische Teilpersönlichkeit vorkommt.
An erster Stelle möchte ich aus der Krankengeschichte eines zirka fünfunddreißigjährigen Zwangskranken folgendes mitteilen: Als Knabe wollte er immer Arzt werden, während er die Möglichkeit, daß er Pfarrer werden könnte, mit Geringschätzung ablehnte. Nach einem überstandenen Typhus abdominalis fühlte er sich abgespannt und hatte eine gewisse Lebensschlaffheit. Nachdem er auf der Oberrealschule durchgefallen war, entschloß er sich auf Drängen seiner Mutter und ihrer Familie, sich durch Privatstudien für das Gymnasium vorzubereiten, um später Theologie studieren zu können. Über seine späteren Amtspflichten machte er sich keine Vorstellungen; nur hoffte er, in einem idyllischen Pfarrhause in einem kleinen Dörflein später vom Kampfe des Lebens befreit zu sein. Auch die Heiligkeit des Priesteramtes übte einen großen Reiz auf den schwankenden Knaben aus. S