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Schon viele Male ist die Psychoanalyse bestrebt gewesen, ihre Methoden und Gesichtspunkte auf die Völkerpsychologie anzuwenden. Es liegt dabei in der Art der Sache, daß nicht die kultivierten Völker an erster Stelle Gegenstand ihres Studiums wurden, sondern daß es sowohl die Sitten und Gebräuche der in alter Zeit lebenden Völker als auch die der in der Gegenwart lebenden unkultivierten Volksstämme waren, die ihr Interesse erweckten. Sind doch im Laufe der Entwicklung die Lebensverhältnisse bei den kultivierten Völkern viel zu kompliziert geworden. Die einfachsten Lebensbedingungen finden wir bei den Naturvölkern; bei ihnen werden wir den Sinn ihrer Sitten und Gebräuche am leichtesten verstehen können.
Aber auch heute begegnen wir in den zivilisierten Ländern isoliert lebenden Stämmen, deren Sitte in auffallender Weise von den gebräuchlichen abweichen und die in völkerpsychologischer Hinsicht unser Interesse erwecken. Dies ist zum Beispiel der Fall bei den Bewohnern der Insel Marken in Holland, einer kleinen Insel von kaum 1300 Einwohnern, in der Zuidersee, vier Kilometer von der Küste entfernt, gelegen. Die Ursache dafür haben wir vielleicht in der bereits seit vielen Jahrhunderten andauernden Isolation von der übrigen Mitwelt zu suchen; möglich, daß auch der Starrsinn und der Konservatismus der Einwohner das Seinige dazu beigetragen hat.
Die Insel Marken ist etwa im Anfang des XIII. Jahrhunderts aus dem Meere entstiegen; um die Zeit siedelte eine kleine Sippe aus Friesland hinüber. Alle Bewohner waren Fischer; die Männer befuhren das Meer, die Weiber dagegen blieben zu Hause und führten die Wirtschaft. Der Stamm lebte bis vor kurzem noch in großer Zurückgezogenheit und Abgeschlossenheit und erst in den letzten Jahrzehnten ist der Verkehr zwischen Marken und der übrigen Welt lebhafter geworden. Heute wird