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Haben wir schon seit etwa einem Jahrzehnt, seit dem Erscheinen von Freuds „Zur Einführung des Narzißmus“ und anderen Veröffentlichungen die bedeutende Rolle des Narzißmus im kranken und normalen Seelenleben kennen gelernt, so ist dabei doch vielleicht eine Sache ungenügend beachtet worden, und zwar diese, daß die Personen, welche mit einem krankhaften Narzißmus behaftet sind, sich in zwei Gruppen teilen lassen, die einen merkwürdigen Gegensatz bilden. Auch die narzißtischen Züge Normaler lassen eine solche Zweiteilung durchführen, insofern sie das eine Mal eine Zugehörigkeit zu der einen Gruppe aufweisen, das andere Mal sich als zu der anderen Gruppe gehörig zeigen.
Den Leuten, bei welchen der Narzißmus die Bedeutung einer Perversion hat, ist ihr eigener Körper Sexualobjekt, das heißt ihr Körper, so wie er wirklich existiert, sowie sie ihn wenigstens wahrnehmen. Wenn schon alles weiter Existierende ihnen gleichgültig ist, bildet ein Stück Realität oder sagen wir etwas Objektives ihr Sexualobjekt. Nennen wir jemand narzißtisch, nicht weil er seinen Körper, sondern weil er in Selbstbewunderung seine Geistesfähigkeiten zu seinem Sexualobjekt gemacht hat, so ist es wieder etwas Objektives, etwas psychisch Reales, woran er fixiert ist. Öfters schätzen jedoch solche Narzißtische auch die Bewunderung anderer Leute und zeigen damit eine ihren eigenen Körper überschreitende Bindung an die Außenwelt. Aus ihrem Benehmen, aus ihrer ganzen Erscheinung ergibt sich manchmal unzweideutig ein Streben, anderen zu gefallen, und ohne jede Übertragung auf diese anderen wäre das wohl unmöglich.
Die Sache ändert sich nicht, wenn der Narzißtische anstatt seines wirklichen Körpers oder seiner wirklichen Geistesfahigkeiten eine Schöpfung seiner Einbildungskraft liebt: einen phantasierten eigenen Körper oder die phantasierten eigenen Geistesfähigkeiten. Es ist immer schwer, wenn man etwas liebt, zu unterscheiden, was daran Wirklichkeit und was Phantasie ist, und falls das eigene Ich Sexualobjek