You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wie von Freud und seiner Schule stark betont wurde, beruht der Verfolgungswahn auf der Projektion eines unbewußten Wunsches, welcher als solcher nicht bewußt werden durfte und darum nur mit negativem Zeichen die Zensur passieren konnte.
Dieser Wunsch würde dann wohl fast immer ein homosexueller sein, der also nach seiner Projektion bewirkte, daß der Patient von einer Person seines (ihres) eigenen Geschlechtes verfolgt wird und dies als unangenehm empfindet. Freud weist darauf hin, daß nur ein großes Tatsachenmaterial imstande sein wird, diese Theorie zu stützen oder zu dementieren, und so hoffe ich, einige kleine Beiträge dazu liefern zu können.
Die Untersuchungen bezogen sich nicht nur auf weibliche Patientinnen; doch wurden diese speziell betrachtet, weil gerade die meisten Analysen und Beobachtungen bis jetzt bei Männern gemacht wurden.
Die untersuchten Patienten gehörten fast alle zu der Gruppe der Schizophrenien, mit der genaueren Diagnose: dementia paranoides und Paraphrenie. Weil sich eine regelrecht durchgeführte Analyse als unmöglich erwies, war ich auf die spontanen Äußerungen der Patienten in mehreren Stadien der Entwicklung ihrer Psychose angewiesen. Die Frage ob diese Äußerungen, die in Gestalt von Halluzinationen und Wahngedanken erfolgten, Material liefern könnten zur eventuellen Bestätigung der obenerwähnten Theorie, meinte ich bejahen zu dürfen. Denn gerade die Psychotiker äußern ungehemmt jene Gedanken, die sowohl vom Neurotiker wie vom Normalen gewaltsam zurückgedrängt werden. Daß dabei doch eine gewisse Verdichtung stattfindet und die Komplexe in symbolischem, aber durchsichtigem Gewände hervorkamen, konnte meines Erachtens kein Grund dazu sein, die Äußerungen der Patientinnen als unzuverlässig zurückzuweisen. Welcher Äußerung, der Halluzination oder dem Wahngedanken, mehr zu trauen sei, schien mir nicht so schwer zu entscheiden. Im Gegensatz zu der Auffassung, daß die Halluzination die direkte Folge des geäußerten Wahngedankens sei, meinte ich, bei