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Diese letzte Arbeit des frühverstorbenen H. Rorschach ist eine Ergänzung und Fortführung seiner 1921 erschienenen „Psychodiagnostik“, in der Methodik und Ergebnisse eines wahrnehmungsdiagnostischen Experimentes mitgeteilt wurden. Das Experiment, bestehend im Deutenlassen von Zufallsformen (symmetrischen Klexbildem), ergab, daß die zu den Texttafeln gegebenen Deutungen ganz bestimmte Symptomwerte haben, von denen Rorschach in seiner Psychodiagnostik eine Reihe der wichtigsten erläutert, die er ganz empirisch aufgefunden hat. So zeigte sich, daß die Kinästhesien (als bewegt gedeutete Bilder) die Repräsentanten der Innerlichkeit, der introversiven Elemente des Deutenden sind, die „Farbantworten“ (durch die Farbe des Klexes beeinflußte Deutungen) diejenigen der Affektivität. Die reinen „Formantworten“ (Deutung nur durch die Form des Klexes beeinflußt) lassen mit anderen Faktoren zusammen auf Umfang und Art des disziplinierten Denkens schließen, das Verhältnis der Kinästhesien zu den Farbdeutungen auf Macht und Umfang des autistischen Denkens.
In der vorliegenden Arbeit zeigt Rorschach einmal den Gang des Deutungsverfahrens bis in alte Einzelheiten hinein, was in der „Psychodiagnostik“ noch nicht geschehen war, und erläutert dabei zwei neue Antwortarten und ihren Symptomwert; hierauf folgt in gemeinsamer Arbeit mit E. Oberholzer die Auswertung des Formdeutversuches für die Psychoanalyse.
Das Deutungsverfahren beginnt bei der Bezeichnung und statistischen Berechnung der Antworten der Versuchsperson. Dabei werden die Bezeichnungen „Helldunkeldeutung“ und „Vulgärantwort“ neu eingeführt. Die nun folgende Interpretation des Befundes ergibt, daß die „Vulgärantworten“ die Anpassung an die Auffassungsweise der Kollektivität darstellen, und die „Helldunkeldeutungen“ merkwürdigerweise einerseits mit einer ängstlich-vorsichtig angepaßten Affektivität, andererseits, wenn originell, mit konstruktorischem Talent, räumlichem Vorstellungsvermögen zusammenzuhängen scheinen; sie zeigen auch