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Das Weib sieht Wulffen als geborene Sexualverbrecherin an, weil bei dem Weibe die meisten kriminellen Auswirkungen aus psycho-physiologischen Gründen in irgendeinem näheren oder ent-fernteren Zusammenhang mit seinem Geschlechtsleben stehen. Die Grausamkeit ist so sehr ein auffälliger Zug des Weibes, daß die Betrachtung der grausamen Verbrecherin als Mutter, Hausfrau,
Erzieherin und politischen Verbrecherin ein besonderes Kapitel ausfüllt. Der große Band von über 400 Seiten bringt ein überreiches, lehrreiches Material aus Gegenwart und Vergangenheit (mit überflüssigen sensationellen Illustrationen nach kriminalistischen Originalaufnahmen). Daß die Psychoanalyse besonders tief in die Menschenseele hinableuchtet, wird anerkannt und eine neue Befruchtung der Kriminalpsychologie von ihr erwartet. Der Autor bezieht sich auf Stekels Bücher und vertritt, Stekel irrtümlich für einen Vertreter der Freudschen Psychoanalyse haltend — was er längst nicht mehr ist! — kritiklos dessen Aufstellungen, zum Beispiel dessen Theorie der Homosexualität. Dadurch, daß er sich nur an Stekel hält, entgeht ihm andererseits zum Beispiel der wichtigste Ursprung des weiblichen ressentiment, der Kastrationskomplex, vollkommen. Die Wahrheit über die Psychogenese der Verbrecherin ist nur von eingehender Analyse zu erwarten, die hier gar nicht erwähnt wird.
Dr. E. Hitschmann (Wien).