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Der Inbegriff neuerer Anschauungen über das Wesen sexueller Anomalien und ihrer Bedeutung im Aufbau der Kultur ist Isserlin Blühers Lehre vom homosexuell-libidinösen Ursprung des Staates. In einer affektvollen Ablehnung dieser werden Psychoanalyse, Blühers wissenschaftliche Ansichten und Blühers Ethik vielfach durcheinandergeworfen. Alle positive Bewertung der Homosexualität, aber auch alle nicht wertenden Lehren von einer Bedeutung der Homosexualität im Kulturaufbau werden als unberechtigtes Bestreben der Homosexuellen aufgefaßt, sich Geltung zu verschaffen; die Möglichkeit solcher Lehrer aber sei in einer von der Psychoanalyse ausgehenden Reaktion auf den überwundenen Rationalismus der vorangegangenen Epoche begründet. Isserlin meint daher mit einer vernichtenden Kritik der Psychoanalyse auch diese Lehre zu vernichten. Die Argumente dieser vernichtenden Kritik sind die altbekannten des Unverständnisses und der Entstellung: Das Vorhandensein eines „Widerstandes“ beweise keine „Verdrängung“; in Wahrheit sei das so, daß, wenn Lücken in der Assoziationsreihe sich einstellen, der Arzt besonders dränge, bis der Patient etwas sage, und das solle dann „verdrängt“ gewesen sein! Die Psychoanalyse des aliquis in der „Psychopathologie des Alltagslebens“ sei unwahrscheinlich. Heilungen seien wohl suggestiv. Die Deutungen erfolgen nach „sehr einfachen, dem Mechanismus der Zote entnommenen Maximen“, für ein „Unbewußtes“ gäbe es keine Möglichkeit erfahrungswissenschaftlicher Begriffsbildung. Mit dieser „Widerlegung“ der Psychoanalyse falle auch jede höhere Einschätzung der Perversionen (wobei Isserlin immer so schreibt, als hielte die Psychoanalyse die Perversen für die Erretter der Menschheit); in Wahrheit seien die Homosexuellen Schwächlinge, Psychopathen und Verführer der Jugend. „Und so haben wir es heute nicht mehr nötig, uns auf langatmige Diskussionen einzulassen, sondern bezeichnen es als gänzlich unbegründeten Unsinn, daß etwa der ‚Stammtisch’ einen symbolischen Ersatz f