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Nachdem dem Autor durch die Lektüre von Stekel die Augen für psychogene, unbewußte Ursachen geöffnet worden waren, fand er die psychoanalytische Auffassung der Frigidität in jedem Falle bestätigt. Auf Grund seiner Erfahrung erkannte er und vertritt er ausnahmslos die psychogene Natur des unstillbaren Erbrechens. „Unstillbares Erbrechen bedeutet nicht ein Erbrechen, das nicht gestillt werden kann, sondern Erbrechen, dessen Ursache nicht beseitigt, nicht aufgedeckt und nicht überwunden wird.“ Das Erbrechen ist ein Symptom unbewußter Abwehr der Schwangerschaft überhaupt oder der Empfängnis von dem betreffenden Erzeuger. Der Tod durch solche schwerste Zustände ist wie ein unbewußter Hungerstreik, als auf unbewußten Motiven beruhender Selbstmord, aufzufassen.
In einem Nachtrag wird als weiteres Argument für die obige Auffassung mitgeteilt, daß von den vielen ledigen Müttern, die ihre Schwangerschaft nicht wahr haben wollen und sofort den Arzt um künstliche Unterbrechung bitten, kein einziges Mal anamnestisch von Erbrechen berichtet wurde. Ferner wird ein Fall erzählt, der die psychogene Wurzel eines — übrigens bald überwundenen — Erbrechens so deutlich bewies, daß die Patientin selbst sie erkannte. Diese Frau begrüßte freudig die Gravidität, wollte aber nach Eintritt derselben nicht weiter mit dem Manne verkehren. Sie überwand sich, empfand aber Ekel über den Orgasmus des Mannes und erbrach durch acht Tage. Von da an konnte sie das Erbrechen beherrschen, aber mit Auftreten dauernden Heißhungers. Die psychoanalytische Erfahrung bestätigt, daß das Erbrechen gravider Frauen meist als Symptom des Ekels gegen das Sperma, seltener gegen das Glied ausgelöst wird. Die Beobachtung, daß der so häufige Heißhunger als Reaktion gegen das so ausgelöste Ekelgefühl auftreten kann, ist wahrscheinlich auch eine typische.
Dr. P. Federn (Wien).