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Eingangs wird darauf verzichtet, das Wähnen oder das Irresein überhaupt aus der Sexualität abzuleiten, wie es die Psychoanalyse angeblich tue, wobei die Lehre von den „narzißtischen Neurosen“ nicht ganz richtig wiedergegeben wird. Vielmehr sollen nur Fälle manifester erotischer Wahnbildung untersucht werden, bei denen die Erotik im Krankheitsbild dominiert. Das kann auf zweierlei Weise geschehen: 1. in Form direkter Wunscherfüllung, 2. in „Abwehrfassade“ (Klagen wegen sexueller Verfolgung, Beeinträchtigung und dergleichen). Beide Arten werden in verschiedenen Erscheinungsformen dem Leser vorgeführt, wobei nicht nur echte Wahnbildungen, sondern auch Pseudologien, hysterische und psychopathische Szenen und Reaktionen, zum Teil durch Krankengeschichten erläutert und mit differentialdiagnostischen Bemerkungen versehen, zur Besprechung gelangen. Besonderen Raum nimmt dabei die Beschreibung eines „Gouvemantenwahnes“ in Anspruch (nach Ziehen), bei der alternde Gouvernanten sich vom Herrn des Hauses geliebt, von der Frau eifersüchtig verfolgt glauben, ohne sonst krank zu sein, L. trennt solche Fälle scharf von solchen, bei denen die erotische Wahnbildung nur Teil einer Prozeßpsychose (Schizophrenie) ist, die er für eine organische Störung ansieht.
Interessant ist, daß im Verlaufe der Erörterungen mehrmals psychoanalytische Deutungen vorgenommen werden, die — dem Fehlen von Psychoanalysen und der Beschränkung auf das manifeste Material entsprechend — oberflächlich bleiben. So wird ein einer Patientin „ins Rindfleisch gespritzter Fischgeschmack“ symbolisch gedeutet, in einem von Schulmädchen dem Vater überbrachten obszönen, in Wahrheit selbstverfaßten Liebesbrief die erotische Bindung an den Vater erkannt und dergleichen mehr. Auch Ödipus- und Kastrationskomplex werden (flüchtig) herangezogen, verschiedene Psychoanalytiker wiederholt zitiert.
Dr. O. Fenichel (Berlin).