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Pulvermachers Ansicht ist, „daß die hysterische Gemütsart auf dem Fehlen, beziehungsweise der mangelhaften Ausbildung derjenigen psychischen Dauerverfassung beruht, die man Charakter oder — weiter gefaßt — Persönlichkeit nennt.“ Seinen Patientinnen gegenüber „kommt“ er „sich manchmal vor wie ein Dompteur“. Über das Unbewußte denkt er so: „Auch spielen diese psychischen Vorgänge ja größtenteils im Unterbewußtsein. Sie sind eine Art zerebraler Reflexe.“ Über den Geschlechtsunterschied so: „… daß die Frau mehr Gattungswesen und daher schon normalerweise weniger Persönlichkeit ist als der Mann …“ Über das Verhältnis der Physis zur Psyche so: Meine Erklärung der hysterischen Eigenart bleibt ganz im Psychologischen. Wenn sie sich als richtig erweist, so wird uns vielleicht auf Grund der Erfahrungstatsache, daß gewisse organische Krankheiten, wie Epilepsie und multiple Sklerose, auffallend oft mit Hysterie vergesellschaftet sind, die histologische Forschung späterer Tage über das materielle Substrat dessen, was wir Charakter nennen, Aufklärung verschaffen.“
Solche Denkart hat es naturgemäß nicht nötig, sich um das zu kümmern, was die Psychoanalyse über den „Wesensgrund des hysterischen Charakters“ zu sagen hat. Aber immer noch kann sie in unseren klinischen Zeitschriften Platz beanspruchen!
Dr. O. Fenichel (Berlin).