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Ein 20 jähriger weichlich femininer Psychopath zeigt im Verlauf eines chronischen, zweifellos enzephalitischen amyo-statischen Zustandes unter anderem folgendes Symptom: Er würgt mit der Hand oder mit Tüchern seinen eigenen Hals, um so „eine angenehme Art von Schwindel“ zu erregen; er wiederholt dies hemmungslos, bis zu 90 mal am Tage, kann durch keine Maßnahmen davon abgehalten werden, kommt dabei in einen orgasmusähnlichen Zustand. P. entdeckte dieses Lustgefühl anläßlich eines Suizidversuches wegen einer unglücklichen Liebe. — Im Verlauf der Beobachtung traten ferner tachypnoische Anfälle auf, die ein Äquivalent für das Würgen zu sein schienen, sowie später echt tetanische Anfälle. — R. hält das Würgen für durch den enzephalitischen Prozeß nicht genügend determiniert; er erkennt darin ein sexuelles, und zwar onanistisches Äquivalent, zitiert Stekel, vergleicht es mit dem Masturbieren der Kinder, und all dies, „wenn man sich hier nicht auf Deutungsversuche einlassen will, wie sie der Freudschen Schule eigen sind.“ — In Ausführung solcher Vermeidung wird angenommen, daß die Kompression der Schilddrüse auf innersekretorischem Wege Wollust errege (zwei ähnliche Fälle [Haas] werden berichtet). — Wir meinen auch, daß R. sich nicht auf Deutungsversuche hätte einlassen sollen, wie sie der Freudschen Schule eigen sind. Denn das wäre so lange sinnlos gewesen, als der Patient nicht vorher einer Psychoanalyse unterzogen worden wäre. Daß dies aber mit solchen Fällen, wie überhaupt mit neurosenähnlichen Restzuständen nach Encephalitis epidemica geschähe, wäre gewiß im Interesse der Forschung und wahrscheinlich auch der Kranken sehr wünschenswert.
Dr. O. Fenichel (Berlin).