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Mit einem schrillen Ausklang endete das arbeits- und ertragreiche Leben der stillen, allzu bescheidenen Forscherin, Der Junge, der in ihren ersten Arbeiten so häufig auftaucht, dem zweite Mutter zu werden, sie ein trübes Geschick verband, ist ihr Mörder geworden. Seit langer Zeit hatte sie ihn gefürchtet, deprimiert hatte sie ein gut Stück ihres Interesses am Leben verloren, und so nahm das Schicksal seinen tragischen Lauf, der uns den allzu frühen Verlust einer tapferen Vorkämpferin für die Erkenntnisse der Psychoanalyse beklagen läßt.
Sie war wohl die erste, die in unmittelbarer Beobachtung Freuds kühne Aufstellungen über das wahre Wesen des Kindes bestätigen und um eine Fülle wertvoller Beobachtungen erweitern konnte. Unermüdlich in der Sammlung von Beobachtungen, mit ausgezeichneten schriftstellerischen Gaben ausgerüstet, hat sie durch viele Jahre unsere und verwandte Zeitschriften bald mit guten Übersichtsreferaten, bald mit Originalarbeiten größeren und kleineren Umfanges bereichert. Am bekanntesten ist ihre Monographie „Aus dem Seelenleben des Kindes“, vor drei Jahren in zweiter Auflage erschienen, daun besonders das von ihr herausgegebene „Tagebuch eines halbwüchsigen Mädchens“ geworden, das in wenigen Jahren dreimal aufgelegt, mehrfach übersetzt, dem größten Interesse begegnete. Der psychoanalytischen Schule war es ein wertvolles, menschliches Dokument, ihren Feinden der Gegenstand gehässiger Angriffe und häßlicher Zweifel.
Auf ihren letzten Jahren lag der Schatten der bitteren Einsicht, daß unsere tiefsten pädagogischen Erkenntnisse unfruchtbar hleiben müssen, wenn wir sie nutzbar machen wollen, ohne mit uns selbst fertig werden zu können. Ihre Tragödie, die man gegen die erzieherische Bedeutungpsychoanalytischer Erkenntnisse ausspielen wollte, bestätigt sie vielmehr in erschütternder Weise.
Unsere geistige Bewegung hat ihr viel zu danken, ihre Arbeiten werden für alle Zukunft wertvolle Fundgruben sein. Doz. Dr. Jos. K. Friedjung.
Von Frau Dr. Hug-Hellmuths wi