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Alkoholismns
Angesichts des Interesses, das die Gesetzgebung verschiedener Staaten in den letzten Jahrzehnten dem Alkoholgenuß zugewendet hat, ist es begreiflich, daß auch von wissenschaftlicher Seite allen mit dem Alkoholkomplex irgendwie zusammenhängenden Fragen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Dennoch ist die psychoanalytische Sphäre vom Kampflärm jener theoretischen und praktischen Probleme verschont geblieben. Die beiden (ohne ethische Beimengung erhobenen) psychologischen Fragen — erstens, worin die psychische Wirkung des Alkoholgenusses besteht, zweitens, ob der pathologische Alkoholgenuß, die Trunksucht, nicht in vielen Fällen auf psychoneurotische Voraussetzungen bei dem betreffenden Individuum zurückzuführen ist — haben in der psychoanalytischen Literatur Antworten von solch weitgehender Übereinstimmung erzielt, daß es zu keinen Diskussionen kam. Ein 1911 vor sich gegangenes Geplänkel zwischen Bleuler und Ferenczi drehte sich nämlich nur um eine von Ferenczi nebenbei erwähnte Statistik (von Drenkhahn, demnach in der deutschen Armee in einem bestimmten Zeitabschnitt die Abnahme der Alkoholerkrankungen mit der Zunahme neurotischer und psychotischer Affektionen einhergegangen sein sollte), um eine ganz vage und gewiß anfechtbare Behauptung, der ja Ferenczi selbst keine Wichtigkeit beigemessen hatte. Immerhin scheint in dieser Debatte, da die sonstige alkoholgegnerische Einstellung Bleulers bekannt ist, doch auch ein gewisser prinzipieller Gegenstand sich darin zu manifestieren, daß Bleuler davor warnt, die „blödsinnigen Ausreden“ der Trinker (warum sie nämlich zum Alkohol gegriffen haben) ernst zu nehmen, daß er also eher geneigt ist, im Alkoholgenuß den Verursacher neurotischer Störungen anzusehen, als eine Folge (auch in therapeutischer Hinsicht wichtigerer) neurotischer Konstellationen. Sonst herrscht in der psychoanalytischen Literatur allgemein die Auffassung, daß der Symptomen-komplex der Trunksucht wohl als eine Intoxikationsneurose beschrieben w