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Der bekannte, bereits 82 Jahre alte Kliniker legt in diesem Buche Zeugnis einer umfangreichen Bildung ab. Er ist über die neuesten psychologischen Richtungen in der Medizin orientiert und nimmt sie ziemlich objektiv in Berücksichtigung. Was die Psychoanalyse anbelangt(es sei nur dieser Teil erwähnt), hält er zwar noch an manchen älteren Formulierungen fest, es entschlüpfen ihm hie und da kleine Ungenauigkeiten, aber wir finden bei ihm eine aufrichtige Anerkennung der Psychoanalyse als psychologische Forschungsmethode vor. Der Autor nimmt keinen Anstoß an den Aufstellungen der infantilen Sexualität, erfindet es eigentlich sehr natürlich, daß die Sexualität allmählich vom Säuglingsalter an sich entwickeln und mehrere Phasen durchmachen muß, er zweifelt gar nicht daran, daß der Saugakt eine erotische Bedeutung habe, welche man später im Kusse wiederfindet, er nimmt das Unbewußte, den latenten Trauminhalt und den Sinn der Neurosen usw. an. Es fehlen natürlich nicht die üblichen Einwände gegen Übertreibungen und gezwungene, willkürliche Deutungen usw. Sein weiteres Verständnis für die Psychoanalyse scheitert aber an seinen tief eingewurzelten Anschauungen in der Physiologie und Pathologie — und das darf uns doch bei dem greisen Kliniker nicht wundemehmen. Er wendet sich hauptsächlich gegen Jones, der die Erblichkeitskomponente bei den psychischen Erkrankungen ganz in Abrede stellen wolle. Diese Komponente sei bei diesen Erkrankungen nicht zu übersehen und von überragender Bedeutung. (Da dürfte Murri wohl recht haben. Bekanntlich steht aber dies mit den Aufstellungen der Psychoanalyse nicht in Widerspruch. Die Psychoanalyse sucht im Gegenteil diesen Faktor näher zu bestimmen.) Ferner faßt Murri die psychoanalytischen Befunde bloß als einen Überbau auf, der letzten Endes doch von der organischen Grundlage in Abhängigkeit gebracht werden muß. Der verschiedene Ablauf der psychischen Entwicklung und die verschiedenen Reaktionsarten (des gesunden und kranken Menschen) rühren v