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Freud scheidet bekanntlich („Vorlesungen“, 1917) von den „individuellen“ Symptomen der Neurosen die „typischen“, die — in allen Fällen ungefähr gleich — nicht durch die persönlichhistorische Deutung erklärt werden können, sondern auf allen Menschen gemeinsames Erleben, auf Erlebnisse aus der Menschheitsgeschichte, zu beziehen oder als allgemeine, durch die Natur der Krankheit aufgezwungene Reaktionen aufzufassen sind. Kretschmer untersucht hier den hysterischen Reaktionstypus psychologisch und nervenphysio-logisch, „hineingestellt in einen größeren biologischen Gesamtrahmen.“ Überstark beeinflußt von den Eindrücken der Kriegshysterie, schiebt der Autor neben der Bedeutung des Trieblebens sowie des Erlebnisses besonders in den Vordergrund als biologische Vorbilder hysterischer Erscheinungen: den „Bewtgungs-stur m“ und den „Totstellreflex“, wie sie auch die Tiere bei drohenden Gefahren zeigen können. (Infusorien in Nähe heißeren Wassers, Bienen im Zimmer einerseits, Fische, Käfer, Krebse, Schlangen, Hühner usw. andererseits.) Läßt sich so eine Hauptgruppe hysterischer Erscheinungen um das biologische Radikal des primitiven Bewegungssturmes, die zweite, hypnoid-stuporöse um den Totsteilreflex gruppieren, so bleibt noch eine dritte Gruppe übrig: sie benützt durch den Zufall des individuellen Lebens beigebr'achtes Material. Sie baut etwa eine abklingende Ischias zu einem hysterischen Hinken um eine zufällige Magenverstimmung zu hysterischem Erbrechen; wir kennen diese Gruppe gut unter der Bezeichnung „somatisches Entgegenkommen“ (Breuer-Freud). Kretschmer definiert: „Hysterisch nennen wir vorwiegend solche psychogene Reaktionsformen, wo eine Verstellungstendenz sich instinktiv, reflexmäßig oder sonstwie biologisch vorgebildeter Mechanismen bedien t.“ Er unterscheidet eine Sexualhysterie und eine Schreck-Angsthysterie mit Zwischengliedern. Viele einfachere hysterische Mechanismen haben ferner nahe Verwandtschaft mit sogenannter „schlechter Gewohnheit“; hierher gehört Bleu