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Der Autor hebt die Bedeutung der von Jung-Silberer inaugurierten anagogen Deutung gegenüber der analytischen hervor, ebenso die „synthetische“ Therapie gegenüber der rein analytischen. Die wesentlichste Frage sei, wozu die Krankheit diene.
Ohne daß es aus den mitgeteilten Krankengeschichten oder theoretischen Erwägungen mit Notwendigkeit hervorginge, wird die Arbeitsunlust in das Zentrum des Problems des Sado-Maso-chismus gestellt. Im Sado-Masochismus kehre die verdrängte Arbeitslust wieder, der Sadist bestrafe sich für seine fehlende Konzentration, „indem er sich züchtigt, was symbolisch in der Art ausgedrückt wird, daß Erektion und Orgasmus nur durch die Rute erreicht wird.“ Also: Orgasmus Symbol für Arbeit!
Die Wiener Schule kümmere sich viel zu sehr um die Fixierungen, „dem Inzest-komplex wird mit fast unglaublicher Unermüdlichkeit nachgeforscht. Nirgends aber finden wir erwähnt, was der Inzest-komplex heute für den Patienten bedeutet.“ Die Jung-Silberersche Anschauung bedeute eben hier einen großen Fortschritt, sie habe bewirkt, „daß die Arbeit der Analytiker nicht so sehr, ein Ausgraben der infantilen Erlebnisse, als ein Bestreben ist, den aktuellen Widerstand gegen die Lebensaufgabe zu überwinden“, was nach des Autors Erachten „ein viel leichterer und dem Patienten wie dem Arzt interessanterer Weg sei, als der umgekehrte, die Erforschung der infantilen Hemmung und ihr Verhältnis zur Gegenwart.“ Wir wollen gerne glauben, daß er der leichtere ist! Es wäre aber doch sehr interessant, zu erfahren, was man sich unter diesem mysteriösen Widerstand gegen die „Lebensaufgabe“ vorzustellen hat, ob er nicht vielmehr dasselbe bedeutet, wie der „aktuelle Konflikt“ der Wiener Schule, der seinerseits von infantilen Konflikten getragen ist.
Dr. W. Reich (Wien).