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Ein detailliertes Referat über das aus 29 Einzelaufsätzen aus heterogensten Gebieten zusammengesetzte Buch ist unmöglich. Wer sich für Adlers Theorie im allgemeinen und ihre Zusammenhänge und Differenzen mit der Psychoanalyse im besonderen interessiert, wird in dem Buch viel Lesenswertes finden. Mag man auch Behauptungen, wie zum Beispiel „psychische Impotenz, ejaculatio praecox, Perversion, sexuelle Anästhesie und Vaginismus (sind) bei Personen zu finden, die einer Hingabe an die anderen, an die Gemeinschaft, nicht fähig sind, weil sie alle beherrschen wollen“, staunend lesen, so muß doch der schmiegsamen Konsequenz an sich Bewunderung gezollt werden, mit der der Rahmen „Wille zur Macht“ über ausnahmslos alle psychischen Phänomene gespannt wird. Was an Richtigem an den Adler sehen Gedankengängen von jedem Psychoanalytiker zu bestätigen ist, steht in keinem Verhältnis zu der durch die Eintönigkeit der Erklärungsweise sich aufdrängenden Frage, wo denn das Problem der Differenzierung bleibe, das bei „individualpsychologischer“ Betrachtung im Zentrum stehen müßte. Wenn es ein Kriterium fortschreitender Forschung ist, daß von allgemeinen heuristischen Prinzipien zu speziellen Problemen differenzialpsychologischer Phänomene und über diese hinaus zu neuen allgemeinen Sätzen geschritten wird, so ist davon hier nichts zu finden. Sieht man von diesen Nachteilen des Buches ab, so zeugen manche Aufsätze dort, wo das Erklärungsprinzip des Machtwillens am Platze ist, von großer Menschenkenntnis und reicher ärztlicher Erfahrung. Gänzlich unbefriedigend, ja, schon bei oberflächlicher Betrachtung falsch sind die Ausführungen über die Melancholie und Paranoia, die Trigeminusneuralgie, die Schlafstörungen und anderes. Ebensowenig können die Versuche, Anschluß an das Organische zu finden (Organminderwertigkeit), befriedigen. — Über die „Praxis der Individualpsychologie“ erfährt man so gut wie nichts. — Bemerkenswert ist noch, daß es der Autor an Seitenhieben auf die Psychoanalyse nich