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Mein jetzt dreieinhalbjähriger Sohn litt vor einem Jahr an einer entzündlichen Phimose. Ich suchte deswegen mit ihm einen Chirurgen auf, der durch stumpfe Dehnung die Verengung beseitigte. Während der Prozedur stellte sich der Junge verhältnismäßig ruhig und vernünftig an, was ihm seitens des Kollegen ausgiebige Belobigungen und auch eine Belohnung in Form von Pfefferminzplätzchen einbrachte. Nachdem er wieder angezogen war und sich dankend
verabschieden sollte, krönte der Chirurg seine geschickte und segensreiche Tätigkeit mit den Worten: „Siehst du, du bist ein braver Junge; sieh mal, was ich hier habe“ — damit holte er aus seinem Instrumentenschrank eine große Schere — „und wenn du das nächste Mal wiederkommst, schneid' ich dir damit das ganze Dings weg.“ Der Chirurg lachte freundlich jovial; der Junge aber flüchtete mit einem Angstschrei zu mir und weinte in meinen Armen vor zitternder Erregung.
Ich suchte ihn nach Möglichkeit zu beruhigen und mit der Versicherung zu trösten, daß „der Onkel ja nur Spaß gemacht habe“. Nach der Ankunft zu Hause und auch noch in den nächsten Tagen dachte ich, dem Kleinen bei der Verarbeitung des durch die Kastrationsdrohung erlittenen Choks helfen zu können. Ich ließ ihn mit einer Schere spielen, um ihm das Gefühl eigener Überlegenheit über das Instrument nahe zu bringen, und erzählte ihm immer wieder, daß der Onkel auch bloß so mit der Schere gespielt und keinesfalls die Absicht gehabt hätte, ihm damit etwas anzutun. Ich hoffte damals, so dem psychischen Trauma begegnet zu sein; doch wurde ich in diesem Jahr eines anderen belehrt.
Es hat sich wieder eine Reizung an der glans penis eingestellt, die vermittels einiger lokaler Bäder leicht zurückging. Gelegentlich dieses Rezidivs aber fing der Junge spontan an, von jenem vorjährigen Erlebnis mit dem Chirurgen zu erzählen. Und zwar erzählte er mit ungemeiner Lebhaftigkeit, heiterer Erregtheit und einer auffallenden Genauigkeit viele nebensächliche Einzelheiten, die sich im Sprechzimmer