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Ein Patient, in dessen Kindheit sich ein ungewöhnlich heftiger Kampf zwischen Verdrängung und sexueller Neugierde abgespielt hat, berichtete in seiner Psychoanalyse von zwei kindlichen Zeugungstheorien. Nach der einen Anschauung umarmt der Mann die Frau und küßt sie; bei dieser Gelegenheit gelangt sein Speichel in ihren Mund und erzeugt in ihr ein Kind. Neben dieser dem Psychoanalytiker geläufigen Theorie hatte der Patient noch eine zweite gebildet, zufolge welcher die Brustwarze des Mannes während der Umarmung Milch absondert, die in die weibliche Brust eindringt.
Diese kindliche Anschauung war mir bisher nicht begegnet. Zweifellos gehört sie nicht zu denprim ä ren Sexualtheorien, die von allen Kindern in großer Gleichförmigkeit gebildet werden. Sie ist auch nachweislich entstanden, als der Patient sich bereits jenseits des Alters befand, in welchem die primären Theorien gebildet werden. Da nun die späteren Anschauungen der Kinder, entsprechend der Verschiedenheit der äußeren Einflüsse, vielerlei Spielarten aufweisen, so läge kein Anlaß vor, bei der mitgeteilten sekundären Sexualtheorie zu verweilen. Ihre Analyse hat mir aber zum besseren Verständnis einer der geläufigen primären Zeugungstheorien verholfen. Dadurch erscheint mir die vorliegende Mitteilung gerechtfertigt.
Die Fähigkeit, das andere Geschlecht zu lieben, war bei dem Patienten beeinträchtigt durch eine lebhafte Phantasietätigkeit homosexuellen Charakters. Teils handelte es sich um passiv-homosexuelle Phantasien, die sich auf ältere Männer bezogen. Diese letzteren waren Vertreter seines Vaters; ihm gegenüber identifizierte sich der Patient mit der Mutter, wie uns das von anderen