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Es ist nicht möglich, über die Richtigkeit der in diesem Buche aufgestellten und verfochtenen These von der Bedeutsamkeit des bei der Geburt erlittenen Traumas ein Urteil zu fällen, aber gerade dieser notgedrungene Verzicht auf die prinzipielle Beurteilung des Werkes bedeutet eine entschieden ablehnende Kritik gegen das Buch als solches und gegen die vom Autor gewählte Methode. Der Leser erfährt nämlich von den grundlegenden Tatsachen, von den Beobachtungen und Erfahrungen, aus denen der Verfasser geschöpft hat, nur am Anfang und am Schluß einige Andeutungen und wird hinsichtlich dieser Dinge, die doch die Voraussetzung seines Urteils und Verständnisses bilden müssen, auf künftige Publikationen verwiesen; den Hauptinhalt des Buches bilden die Folgerungen und Anwendungen einer Entdeckung, deren Grundlagen nur angedeutet sind. Je umfassender und grandioser diese Folgerungen sind, — und sie umfassen nicht weniger als die ganze kulturelle Entwicklung in allen ihren Möglichkeiten und Verzweigungen, — je geistvoller und treffsicherer die einzelnen Ableitungen und Formulierungen, je gewandter und sicherer die Dialektik, desto empfindlicher wird dieser Mangel. Man sieht eine kühn geschwungene Riesentreppe, die uns zu den Wolken emporzuführen verspricht, deren Fundament jedoch leider nicht auf festem Boden steht, sondern auf ein paar provisorisch untergeschobenen Balken. Alle die bekannten Vorzüge des Autors sind in diesem neuen Werke wiederzufinden, zum Teil sogar in erhöhtem Maße, nur leider der eine nicht, der seine anderen Werke auszeichnet: die nüchterne und für den empirischen Wissenschaftler doch unentbehrliche Bedingung, das Gebäude seiner Beweisführung von unten her, hei den Tatsachen zu beginnen.
Man nehme den Fall an, daß Freud statt mit den Arbeiten über die Neurosenlehre, der Traumdeutung usw. den Ödipuskomplex durch das in „Totem und Tabu“ angeführte Material zu beweisen und einzuführen versucht hätte, mit der darangeknüpften Bemerkung, die Tatsache selhst sei i