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Es ist ein großes Verdienst Prof. Claudes, als erster in Frankreich darauf hingewiesen zu haben, daß es nicht anginge, über die Psychoanalyse theoretisch zu diskutieren, statt, wie es einem ernsten Wissenschaftler gezieme, sich durch voraussetzungsloses und ernstes Studium einen Begriff von ihrem Wert zu machen. Claude hat an seiner Klinik (die Psychiatrische Universitätsklinik in Paris) Fälle von Zwangs- und Angstneurose, von psychopathischen Störungen und Schädigung des Sexuallebens, wie Frigidität und Homosexualität, Fälle, bei denen gewöhnliche psychotherapeutische Methoden nicht zum Ziel führten, der Psychoanalyse unterziehen lassen. Er konnte sich dabei von den guten Erfolgen überzeugen, welche die von seinen Assistenten Laforgue, Allendy und de Saussure durchgeführten Analysen gezeitigt haben. Claude glaubt, daß neben dem Sexualtrieb, dessen große Wirkung auf das Seelenleben er anerkennt, auch der Selbsterhaltungstrieb und egoistische Antriebe fähig seien, verdrängt zu werden und Komplexe zu erzeugen. Der französischen Mentalität angepaßt, sollte die Psychoanalyse bei geeigneten Fällen unbedingt angewandt werden, wobei ihre Wirkung manchmal auch durch pharmakodynamische und hormonale Therapie unterstützt werden sollte.
Loewenstein (Berlin)