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Die Frage, warum der neurotisch Kranke gesund werden will und sich in Behandlung begibt, ist nicht so paradox, wie es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat. Die Neurose ist doch ein Anzeichen der mißlungenen, symptombildenden Verdrängung, und im Symptom trachtet jeder Kranke, in irgendeiner verkappten Form, wenn auch nur symbolisch, Lust zu gewinnen. Es ist daher nicht einzusehen, warum der Neurotiker, trotz aller Widerstände des Ichs, ohne weiteres auf die Lust verzichten sollte.
Diese Frage könnte zunächst dahin beantwortet werden, daß das die Krankheit begleitende Leiden, also die Unlust, von selbst das Streben nach Gesundheit weckt. Erwägt man jedoch, daß das Leiden an und für sich lustbringend sein kann, so verliert die Krankheitsunlust als alleinige Triebkraft des Genesungswunsches an Bedeutung. Zieht man ferner in Betracht, daß das Ich passiv und bloß Vollstrecker des „Es“ und des „Über-Ichs“ ist,1 so muß man erst recht nach unbewußten Triebkräften des Gesundheitswillens Umschau halten.
Der bewußte Genesungswunsch ist doch niemals als Maßstab für die Dauer und den Erfolg der Kur zu betrachten. Daß nicht diejenigen Patienten am leichtesten zu behandeln sind, die voller Ungeduld den Beginn der Behandlung kaum erwarten können, ist jedem Praktiker der Analyse bekannt. Es ist aber erstaunlich, wie hartnäckig eben solche Patienten, trotz der ungeheuren Widerstände, welche sie der Behandlung gleich zu Beginn entgegenbringen, an der Kur festhalten. Man könnte vielleicht die Übertragung dafür verantwortlich machen. Diese Kranken beginnen jedoch die Kur in der Regel mit einer negativen Übertragung, die ja dazu geeignet wäre, den Kranken eher vom Arzte abzustoßen als ihn an denselben zu binden. Ferner kommt es vor, daß manche Patienten