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Ein junger Mann, der sich in meiner psychoanalytischen Behandlung befand, hatte seit früher Jugend beobachtet, daß seine Mutter neben ihrer Ehe intime Beziehungen zu einem Freunde unterhielt. An diese Tatsache knüpften sich bei ihm typische Phantasien im Sinne der Hamlet-Geschichte: die Mutter werde gemeinsam mit ihrem Freunde den Vater umbringen. Diese seit Jahren wiederkehrenden Tagträumereien wurden der Analyse unterworfen und traten zurück, als dem Patienten bewußt geworden war, daß sein eigener verdrängter Wunsch dahin ging, mit Hilfe der Mutter den Vater zu beseitigen. Nachdem die dem Vater feindlichen Phantasien des Patienten weitgehend analysiert waren, berichtete er mir eines Tages ein sonderbares Vorkommnis. Während die ganze Familie am Mittagstisch saß, hatte die Mutter erzählt, sie habe in der Nacht etwas Eigentümliches geträumt. Ein fremder Mann habe sie verhöhnt und sich geringschätzig über ihre Fähigkeiten und Eigenschaften geäußert. Sie habe ihn dann mit Hilfe des Herrn X. (ihres Freundes) hinausgeworfen.
Mein Patient hatte bei der Erzählung seiner Mutter aufgehorcht und augenblicklich verstanden, daß der Fremde niemand anderer sein konnte, als sein Vater, den die Mutter gemeinsam mit ihrem Freunde „hinauswarf“, d. h. beseitigte. Er schloß mit Recht daraus, daß die Phantasie seiner Mutter sich mit der gleichen Untat befasse, wie zuvor seine eigene. Die Übereinstimmung ging sogar noch mehr ins Einzelne. Auch er selbst hatte gegen den Vater oftmals in der Phantasie den Vorwurf erhoben, er wisse die wertvollen Eigenschaften seiner Frau nicht zu schätzen. Mit dem nämlichen Vorwand begründet diese selbst die Beseitigung des Ehemannes.
Das Beispiel zeigt, in welchem Maße Tagträume einer Person mit Phantasiegebilden einer anderen zusammenfallen können.