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Ein Patient, der wegen Schwierigkeiten, die aus seinem zwangsneurotischen Charakter stammten, die Behandlung aufgesucht hatte, stand unter dem grundlegenden Einfluß von verdrängten frühinfantilen Sexualbeobachtungen an seinen Eltern. Seine Neurose war beherrscht vom Konflikt zwischen positivem und negativem Ödipuskomplex. Der Patient hatte sich mit beiden beobachteten Partnern identifiziert und konnte auf keine der beiden Lustmöglichkeiten endgültig verzichten. Indem er sich während seiner Kindheit vorwiegend mit seinem Vater identifizierte, konnte er während derselben halbwegs gesund bleiben; er hatte dabei mit seiner jüngeren Schwester vom sechsten Lebensjahr an ein regelrechtes Liebesverhältnis. Als aber später im homosexuellen Milieu des Kriegsdienstes die verdrängt gewesene Mutteridentifizierung durchbrach, erkrankte er unter allen Zeichen eines schweren Schuldgefühls. Die Neurose wurde im Verhältnis zu einer Freundin manifest, die vorher die eines militärisch vorgesetzten Kollegen gewesen war. Erwähnt sei noch, daß bei der Analyse der Kastrationsangst mit dem Einfall einer „vagina dentata“, die den Patienten verschlucken könnte, eine eigenartige Sensation wiedererwachte, die der Patient in der Kindheit gekannt, seither aber bis zur Analyse vergessen hatte. Sie war in Worten nicht wiederzugeben. Der Versuch, es dennoch zu tun, lautete: „Mit kolossaler Geschwindigkeit — im Dreck — nach abwärts.“
Als die Analyse schon recht weit vorgeschritten war, erfuhr der Patient, daß seine jüngere Schwester sich verlobt hatte. Das Material, das durch diesen rezenten Anlaß zum Vorschein kam, ließ den außerordentlich intensiven Sadismus des Patienten in neuem Lichte erscheinen. Dieser galt nicht nur, wie bisher angenommen worden war, beiden Eltern, — die Grausamkeit beinhaltete dabei beiden gegenüber sowohl die Beseitigung, die das sexuelle Beisammensein mit dem anderen Teil ermöglichen sollte, als auch das sadistisch gedachte sexuelle Beisammensein selbst, — sondern auch einem