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Schriften wie die vorliegende, die sich mit den erkenntnistheoretischen Voraussetzungen des ärztlichen Denkens beschäftigen, sind ein Zeichen der Tendenz zur Selbstbesinnung in der Medizin und interessieren auch den psychoanalytischen Therapeuten. Aus der anregenden Schrift, die reichlich Stoff zum Nachdenken gibt, hebe ich einen Hauptgedankenzug hervor:
Der Verfasser unterscheidet im medizinischen Denken den klinisch ärztlichen und den rein erkenntnismäßigen Anteil. Begriffe, die in dem letzten Bereiche Geltung und Bedeutung haben, brauchen diese nicht oder nicht in demselben Maße im ersteren zu haben. Das gilt vom Begriff der Norm. Dieser, wie er gewöhnlich gefaßt wird, ist der statistische oder der Begriff des Durchschnittlichen. Er ist, so lange eine oder nur wenige Eigenschaften in Frage stehen, graphisch durch binominale Kurven darstellbar.
Aber bleibt man auch nur bei der begrifflichen Formulierung dieses Normbegriffes, so zeigt sich, daß er nur einen rein erkenntnismäßigen Wert hat und für die praktisch-ärztliche Betrachtung ungeeignet ist. Der statistische Normalmensch ist nur eine Fiktion, in Wirklichkeit gibt es ihn nicht, „oder, wenn es ihn gäbe, könnte er nur den Wert einer ungeheuren Seltenheit beanspruchen“.
Das, was der Arzt benötigt, ist eine Unterscheidung von Krankheit und Gesundheit. Es zeigt sich aber, daß der theoretische Normbegriff nur einen Unterschied zwischen dem, was ihm entspricht, und dem, was von ihm abweicht, der Anomalie, ermöglicht. Aber der Begriff der Anomalie deckt sich nicht mit dem der Krankheit.
Der Verfasser hat bereits in seinen „Grundlagen ärztlicher Betrachtung“ den Begriff der Norm als für das praktische ärztliche Bedürfnis unverwendbar bezeichnet und an dessen Stelle den Begriff der „Responsivität“ geprägt. Für die Wertung, ob ein Mensch krank sei, ist „nicht ein errechenbarer Durchschnitt der Erscheinungsform“, „sondern der Normalzustand der Person“, „die persönliche Normalität der Person“ das Vergleichsmoment. Diese nennt