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Dieses Dr. Seip (München) gewidmete Schriftchen ist äußerlich von vornehmer Einfachheit. So scheint auch der Inhalt. Im ersten Kapitel werden die Lehren der Psychoanalyse klar und ruhig vorgetragen. Alles, was gesagt wird, ist einwandfrei: über das Unbewußte, die Verdrängung, den Konflikt zwischen Ichtrieben und Libido, über die Libidotheorie. Man merkt aber gleich, was verschwiegen wird: Kastrationskomplex und Narzißmus. Der zweite Abschnitt bringt eine gute Schilderung der Individualpsychologie. Erst die beiden letzten Abschnitte „Vergleich und Kritik“ und „Weltanschauung“ zeigen, welche Stellung die Verfasserin zu den Problemen der Sexualität wirklich einnimmt. Die uns wohlbekannten Behauptungen, Kastrationskomplex und Narzißmus seien eine „Sicherung“ Freuds gegen Adler, werden aufgewärmt. Und dabei hätte die Autorin wohl von ihrem Lehrer Seip hören können, daß der Kastrationskomplex schon in den ersten Schriften Freuds, als Adler noch bei der Psychoanalyse stand, eine Rolle spielt, und daß der Narzißmus — wenn wir schon von Anregungen sprechen wollen — Freud durch die Psychosenbeobachtungen der frühen Züricher Schule, und zwar durch Abraham, nahegelegt wurde. Allerdings gestattet sich Seip