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Ein 45jährige Frau kam wegen hysterischer Beschwerden in Behandlung. Sie litt an Agoraphobie, schweren Magen- und Darmstörungen, Angstzuständen, Arbeitsunfähigkeit und hatte außerdem einen Tic. Ihr Tic — ein heftiges Kopfnicken mit gleichzeitigem Stirnrunzeln und krampfhafter Zusammenziehung der Augenbrauen — wiederholte sich alle Augenblicke, störte sie aber nicht im geringsten.
Sie erzählte auf mein Befragen, sie habe diese „schlechte Gewohnheit“ seit ihrem zwölften Lebensjahre; die verschiedensten Behandlungen, wie Elektrisieren, Massage, sowie Überredungsversuche seitens der Eltern, ihres Mannes, den sie sehr liebte, richteten nichts aus, der Tic bestünde ohne Unterbrechung in gleicher Stärke.
Schon in den ersten Tagen der Analyse fiel es mir auf, daß die Patientin auf meine Deutungen mit dem Tic reagierte, u. zw. auf verschiedene Art. Wähnte sie sich unbeobachtet, so hielt sie den Kopf ruhiger, sah ich sie aber fest an, so zog sie die Stirne und die Brauen um so fester zusammen, auch auf Assoziationen verschiedenen, sie erregenden Inhaltes reagierte sie abwechselnd mit heftigeren oder schwächeren Ticbewegungen. Sie war mir gegenüber immer gleich entgegenkommend und voll Respekt. Hatte sie aber eine Deutung empört, so zeigte sich dies in wütendem Nicken; sprach sie — was ihr Hauptthema war — von ihren Vorzügen, ihrem guten Charakter, ihrer körperlichen Schönheit, so krampfte sie die Augen stärker zusammen und blinzelte. Sie verriet durch ihr Blinzeln, wie wenig überzeugt sie von ihrem Eigenlob war.
Ich gewann bald den Eindruck, daß der Tic der Schlüssel zu ihrer ganzen Neurose sei, trotzdem er subjektiv im Leiden der Patientin keine Rolle spielte, gleichwie der Träumer oft das aufschlußreichste Stück seines Traumes für unwichtig erklärt und es damit der Analyse vorenthalten will.
Ich begann die Differenzen in der Stärke der Kontraktionen regelmäßig zu beobachten und zu analysieren und es gelang mir dadurch, wie ich glaube, etwas tiefer in den Mechanismus des Tic Ei